Abstinenz oder Konsum

In der Suchttherapie spielt die Auseinandersetzung mit dem konsumierten Suchtmittel eine wichtige Rolle. Früher wurde die Abstinenz als einziges Mittel zur Wahl proklamiert. Im Zusammenhang mit spezifischer und individualisierter Beratung, können Abstufungen Thema sein.

Abstinenz: Totaler Verzicht auf ein Suchtmittel (ohne Zeitangabe).

Lebenslange Abstinenz: Lebenslanger Verzicht auf ein Suchtmittel.

Temporäre Abstinenz: Verzicht auf den Konsum für einen klar festgelegten Zeitraum.

Andere Formen: Abstinenz von einem Tag zum Anderen festlegen (Anonyme Alkoholiker AA)

Kontrollierter Konsum: Konsum nach klar festgelegten Regeln (Menge, Zeit, Ort, im Rahmen einer Beratung oder anhand eines Selbsthilfeprogramms). Literatur zum Thema des kontrollierten Konsums >>hier

Generell gilt im Via:

Die Behandlung und der Aufenthalt im Via sind abstinenzorientiert, im Haus ist der Konsum von nicht ärztlich verschriebenen psychotropen Substanzen verboten, und im Rahmen der Kontrollen (Atemlufttests, Urinproben und cdt) nachgewiesener Konsum wird für den weiteren therapeutischen Prozess interpretiert  (und selbstverständlich nie bestraft!). Dabei werden die Wünsche und Zielsetzungen des Patienten und seines sozio-oekonomischen Umfeldes in eine Beziehung gesetzt zu seinen aktuellen Fähigkeiten und Ressourcen. Wenn sich dabei zeigt, dass unser Behandlungsprogramm oder unsere Hausordnung zu anforderungsreich ist bzw. den Zielsetzungen des Patientensystems nicht entspricht, wird nach geeigneteren Interventionsmöglichkeiten gesucht.

Das Thema des kontrollierten Konsums wird evidenzbasiert kommuniziert und offen diskutiert, d.h. dass den PatientInnen die Entscheidung überlassen wird, welche Konsumstrategie sie wählen wollen. Aus methodischen und Therapieverfahrensgründen, nicht zuletzt auch aus Gründen der beschränkten Infrastruktur kann Via Gampel kein Trainingsprogramm für  kontrollierten Konsum anbieten. Wer diese Konsumstrategie anstrebt, wird in der Austrittsphase an die ambulante Stelle von SUCHT WALLIS in Visp verwiesen.

Es gibt Menschen, welche von einem Suchtmittel längerfristig abhängig waren, die den Konsum des Mittels wieder angemessen kontrollieren können, der grosse Teil kann das nicht oder entscheidet sich zur Abstinenz, da der Aufwand für die Kontrollstrategie als zu gross beurteilt wird . Wer einmal abhängig war, hat zudem ein erhöhtes Risiko, auch von anderen Suchtmitteln abhängig zu werden oder auf andere Suchtmittel umzusteigen.