Intervention beim Hausarzt

Nach der Erhebung des Gesamtbildes beurteilt der Arzt, ob ein problematischer Alkoholkonsum diagnostiziert werden kann und bespricht die Befunde mit der Patientin oder dem Patienten.

Nachfolgend aufgelistet ein möglicher Gesprächsfaden für den Hausarzt

  • Patientenbefunde erklären, Relation zu Normbefunden erläutern
  • Besprechung der Alkoholanamnese und -befunde als Routine behandeln (keine Stigmatisierung)
  • Bei unklaren Angaben und Widersprüchen nachfragen (weder Ironie noch Vorhaltungen)
  • Zusammenhang Befunde und Trinkverhalten erörtern
  • Information über alkoholbedingte Gesundheitsstörungen (sachlich, nicht wertend)
  • Umfeldprobleme und -reaktionen ansprechen

Liegt ein risikoreicher oder  schädlicher Alkoholkonsum oder ein Abhängigkeitssyndrom vor, empfehlen sich die nachfolgend aufgelisteten Schritte.

  • Bei vermuteter Veränderungsbereitschaft über Optionen informieren, Unterstützung anbieten
  • Selbstvertrauen stärken (ohne Überforderung)
  • Bei fehlender Veränderungsbereitschaft zur Selbstbeobachtung und zum Nachdenken einladen (nicht überreden)
  • Je nach Bedarf Empfehlung zur weiteren Abklärung oder Behandlung an einen Spezialisten abgeben.

Widerstand, Schamgefühle vor der Auseinandersetzung, Verleugnung der Symptomatik sind oft Begleiterscheinungen der Sucht. Viele Patientinnen und Patienten sind nicht unmotiviert, ihre Sucht aufzugeben, aber sie sind ambivalent. Ein Abbruch der Behandlung kann unter Umständen schwerwiegendere Folgen für die Patientin oder den Patienten haben, als das nicht erreichte Ziel einer dauerhaften Abstinenz. Von daher sind es oft kleinere Etappenziele (Gesprächsbereitschaft, eingeschränkter Konsum, abstinente Phasen, Klärung der sozialen Situation usw.), die den Weg z.B. für eine weiterführende Therapie eröffnen.