Was versteht man unter Co-Abhängigkeit?

Unter Co-Abhängigkeit wird verstanden, dass neben der abhängigen Person noch weitere Personen in die Abhängigkeit verwickelt sind. In diesen Zusammenhang werden auch die Begriff e«Co-Alkoholikerin, Co-Alkoholiker» benutzt. - Entsprechendes gilt auch für andere Suchterkrankungen wie z.B. Tabletten, Heroin, Ess-Brech-Sucht (Bulimie).

Es stellt sich also die Frage, warum jemand die Beziehung zu einer abhängigen Person nicht beendet, sondern sogar unterstützt, indem er ihr immer wieder Suchtmittel mitbringt oder mit Geld aushilft. Im Zusammenhang mit dem Kontrollverlust der Betroffenen, übernehmen nahestende Personen automatisch Kontrollfunktionen. Das Suchtmittel wird versteckt oder weggeworfen, die abhängige Person wird regelmäßig mit Vorhaltungen konfrontiert. Co-Abhängige versuchen so, Einfluss zu nehmen und die Situation nach ihren Vorstellungen zu gestalten.

Gründe können sein, dass der Co-Abhängige damit seine partiellen Minderwertigkeitsgefühle kompensieren oder soziale Anerkennung erhalten will (Helfersyndrom). Das manipulative Verhalten von Abhängigen verstrickt fast immer alle in co-abhängiges Verhalten, die längere Zeit im unmittelbaren Umfeld mit ihnen leben.

Co-Abhängige sind nicht nur Mitleidende, sondern ziehen oft auch einen persönlichen Profit aus dem Beziehungsmuster. Die Ehefrau übernimmt beispielsweise die volle Verantwortung und Kontrolle über das Geld und andere Lebensbereiche. Die Rückgewinnung der Autonomie der Betroffenen kann im Umfeld als Bedrohung empfunden werden.

Für Angehörige gibt es spezielle Selbsthilfegruppen und Gruppenangebote. Eine Beratung auf einer ambulanten Suchtberatungsstelle kann weiterhelfen. Der Schritt zur Auseinandersetzung mit der eigenen Co-Abhängigkeit kann auch das Verhalten der Betroffenen nachhaltig verändern.