Fragen und Antworten zum Entzug

Was ist der Unterschied zwischen Entzug und Entwöhnung?

Der Entzug ist die erste Massnahme, den Körper, der an ein Suchtmittel gewöhnten ist, an die suchtmittelfreie neue Situation anzupassen. Entzüge finden auch unfreiwillig statt, wenn bei körperlicher Abhängigkeit das Suchtmittel nicht zur Verfügung steht. Der Entzug wird auch "Entgiftung" genannt, ausgehend von der Überlegung, dass der Körper durch den problematischen Suchtmittelkonsum in einen Vergiftungszustand geraten war.

Entwöhnung ist ein Geschehen, der erst im Anschluss an den Entzug sukzessive stattfindet, aber auch bewusst gestaltet werden kann: die betroffene Person gewöhnt sich daran, in Situationen, die früher mit Suchtmittelkonsum gekoppelt waren, sich nun anders zu verhalten. Untersuchungen zeigen, dass Entwöhnung auch im Belohnungszentrum des Gehirns nachgewiesen werden kann, d.h. dass Suchtmittelabstinenz zu Veränderungen in den Nervenzellen führt.

Kann ich den Entzug alleine durchführen?

Ja, aber wir raten dringend davon ab. Während des Entzugs können Krampfanfälle oder Delirien auftreten, die eventuell schwere körperliche und geistige Schäden zur Folge haben. Teilweise können diese auch zum Tode führen. Daher unterstützen wir klar den Entzug unter ärztlicher Aufsicht. Der Entzug wird meistens durch Medikamente wesentlich erleichtert.

Wie lange dauert der Entzug und wo kann ich ihn durchführen?

Art und Dauer des Entzugs werden durch den Schweregrad der Abhängigkeit bestimmt. Einen ambulanten Entzug können Sie beim Hausarzt durchführen. Der stationäre Alkohol-Entzug dauert in der Regel 6 bis 10 Tage und kann in einem Spital durchgeführt werden. Cannabis- und Medikamentenentzüge können länger dauern, je nach Situation der Patienten wird die Länge des Spitalaufenthaltes angepasst.

Kann man ohne fremde Hilfe vom Suchtmittel loskommen?

Das ist grundsätzlich möglich, hängt aber vom Schweregrad der Abhängigkeit ab. Mit der körperlichen Entgiftung ist erst ein körperlicher Aspekt der Sucht behandelt. Als Alkoholiker, Medikamenten- oder Drogenkonsument hat man das Suchtmittel für eine bestimmte Wirkung eingesetzt und/oder man ist gewohnheitsmässig in den problematischen Konsum hineingeraten. Krisensituationen, Probleme und solche unvorteilhaften Gewohnheiten müssen im Anschluss an den Entzug analysiert werden. Neue Formen der Krisen- und Problembewältigung und neue Gewohnheiten müssen aufgebaut werden. Dafür sollte fachliche Hilfe in Anspruch genommen werden.