Informationen für Jugendliche

Jetzt reicht's mir! Meine Eltern (mein Chef) behaupten, ich sei süchtig! Was soll ich tun?

Wir Fachpersonen vom Via stellen immer wieder fest: beim Thema Sucht wird oft übertrieben.

Bleib also vorerst einmal cool. Du hast auf dieser Website die Chance, alle Fakten zum Thema zu sichten und Deine eigene Situation zu analysieren, beginne mal >>hier, nachdem Du die untenstehenden Fragen durchgecheckt hast.

Wir stellen aber auch fest: oft wird halt auch verharmlost. Bleibe deshalb neugierig!

So oder so, wir Fachpersonen vom Via sind in dieser Frage extrem cool. Wir haben uns angewöhnt, nicht zu werten, sondern die Fakten abzuwägen. Falls Du also auch nach intensivem Studium dieser Seiten noch Fragen hast, oder falls Du ein Gespräch möchtest:

Telefoniere mir mal, Ulrich Gerber, Via Gampel 027 933 13 33, oder schicke mir persönlich ein Mail.

Falls Du anonyme Beratung wünschst: >>hier
 

Woran erkenne ich, ob jemand ein Suchtproblem hat?

Es ist ein Irrtum zu glauben, dass sich eine Suchterkrankung bloss an der Menge und Häufigkeit des Konsums erkennen lässt. Wer abhängig ist, verspürt ein starkes Verlangen nach seinem Suchtmittel, hat die Kontrolle über den Suchtmittelgebrauch verloren und setzt den Konsum trotz eindeutig schädlicher Folgen fort. Die abhängige Person vernachlässigt andere Interessen, muss immer mehr konsumieren, um den gewünschten Effekt zu erzielen und verspürt psychische und/oder körperliche Entzugssymptome, wenn der Konsum reduziert oder abgesetzt wird. Diese Kriterien sind in der internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD10) festgelegt.

Welche sozialen und familiären Folgen verursacht die Abhängigkeit?

Die Folgen können sehr gravierend sein: gestörte Beziehungen zu den Mitmenschen, Abnahme des Verantwortungsgefühls, Scheidung, Abbruch der Beziehung zur Familie und den eigenen Kindern, vermehrte Unfälle, Führerscheinentzug, Verlust der Arbeitsstelle und der Wohnung, gesellschaftlicher Abstieg.

Was bedeutet «Co-Abhängigkeit»?

Angehörige haben oft ein Verhalten entwickelt, das unabsichtlich die Sucht aufrechterhält, auch wenn sie eigentlich das Gegenteil bezwecken wollen. Mit Co-Abhängigkeit werden Verhaltensweisen von Bezugspersonen oder von einem Bezugssystem (z.B.Familie, oder Arbeitsteam, oder Verein, oder Gleichaltrigengruppe ) beschrieben, die das Sucht-Verhalten der abhängigen Person unbewusst unterstützen und damit eine rechtzeitige Therapie verhindern. Co-abhängiges Verhalten ist z.B.: Verantwortung für den anderen übernehmen, Belastungen abnehmen, sein Verhalten entschuldigen oder rechtfertigen, kontrollieren und Vorwürfe machen. Die Stadien des Co-Verhaltens sind: Beschützen, Entschuldigen, Kontrollieren, Anklagen. Nahestehende von abhängigen Personen leiden oft sehr unter ihrer Co-Abhängigkeit und entwickeln häufig psychosomatische Beschwerden oder psychiatrische Störungen, wie z.B. eine Depression. Schuld- und Schamgefühle führen zu sozialem Rückzug; Freundschaften werden nicht mehr gepflegt.

Wie helfe ich einem Menschen mit einem Suchtproblem?

«Was kann man tun?»

Einen Partner oder eine Partnerin, einen Menschen der einem nahe steht zu haben, der ein Alkoholproblem hat, ist eine schwere Belastung. Auch wenn der Betroffene selbst keine Hilfe annehmen will, sollten sich die Bezugspersonen selbst Unterstützung holen. Solche Hilfe gibt es über e-Mail, telefonisch oder im Beratungsgespräch im Via Gampel, bei der Alkohol- und Drogenberatungsstelle von SUCHT WALLIS in Brig oder im Ambulatorium des Psychiatriezentrums Brig für Jugendliche und Erwachsene. Auch die Fachpersonen der Oberwalliser Familienberatungsstelle SIPE, die Mediatoren der Schulen,  bei Gewalt und Übergriffen die Opferhilfe Beratungsstelle in Visp bieten Beratungen an (http://www.optimusstudy.org/fileadmin/user_upload/....)   Die Fachleute können unter strikter Einhaltung der Schweigepflicht Wege herausfinden, wie sich Angehörige, Freunde usw. schützen, wie sie mit dem/der Betroffenen reden können oder wie er/sie vielleicht sogar dazu zu bringen ist, gemeinsam eine Beratung aufzusuchen.
 

Wieso kann man von Alkohol überhaupt abhängig werden?

«Ich wollte schon lange wissen, wann man alkoholsüchtig ist? Ich liebe Mischgetränke, kann man von denen schnell abhängig werden? Wieso kann man von Alkohol überhaupt abhängig werden?»

Es gibt verschiedene Typen von Alkoholabhängigkeit: Die einen sind bereits soweit krank, dass sie täglich ihre Ration trinken müssen, damit sie ruhig werden. Das sind die so genannten Spiegeltrinker. Es gibt aber auch die Personen, die regelmässig am Wochenende zu viel trinken. Von einer Abhängigkeit kann man sprechen, wenn folgende Faktoren gegeben sind:

  • wenn man immer wieder das Verlangen verspürt Alkohol zu trinken
  • wenn man dem Verlangen, Alkohol zu trinken nicht widerstehen kann
  • wenn sich die Gedanken immer wieder um das Thema Alkohol drehen
  • wenn beim Unterlassen von Alkohol körperliche Beschwerden auftreten

Bis zur Abhängigkeit gibt es eine Vorphase, das ist der Zeitraum zwischen dem gesteigerten Alkoholkonsum bis zum Kontrollverlust. Diese Vorphase kann Monate bis Jahre dauern. Als Folge der Gewöhnung des Körpers an den Alkohol wird die Trinkmenge immer mehr gesteigert. Mit der Zeit treten Erinnnerungslücken auf, und im weiteren Verlauf kommt es langsam mit der fortschreitenden Störung der Stoffwechselprozesse zur körperlichen und psychischen Suchtausbildung. Der Alkohol wirkt bereits in kleinen Mengen auf das Hirn und kaum ein Organ im menschlichen Körper ist nicht betroffen durch die Schädigung vom Alkohol. Mit der Zeit treten auch körperliche Beschwerden auf wie Probleme mit der Leber, dem Magen, der Speiseröhre und mehr. Wenn man diese Mischgetränke, wie Alkopops und mehr, regelmässig und übermässig konsumiert, kann man relativ schnell abhängig werden. Alkohol macht süchtig, weil es zu einer fortschreitenden Störung des Stoffwechselprozesses im Körper kommt und somit der Körper immer mehr das Verlangen nach Alkohol hat.

Kann es sein, dass ich alkoholsüchtig war?

«In der letzten Zeit trank ich sehr viel, z.B. auf dem Schulausflug und im Ausgang. Ich bekam Magenprobleme und trank nichts mehr. Doch dann bekam ich immer mehr den Zwang, Alkohol zu trinken! Mir wurde auch schwindlig. Ich habe mich dagegen gewehrt. Jetzt ist es wieder gut und ich habe den Alkoholkonsum unter Kontrolle. Kann es sein, dass ich süchtig war?»

Eine Alkoholabhängigkeit entsteht in Phasen und kommt schleichend. Begonnen beim Schulausflug über den Ausgang bis zum zwanghaften Verlangen nach Alkohol und den Magenschmerzen. Die Magenprobleme könnten von einer durch Alkohol verursachten Bauchspeicheldrüsen-Entzündung herrühren. Die sich entwickelnde Sucht zu bemerken ist enorm wichtig. Ein erster wichtiger Schritt ist, sein Verhalten zu ändern, darüber zu sprechen, sich Hilfe zu holen. Die meisten verharmlosen ihre Schwierigkeiten im Umgang mit Alkohol. Zum Teil aus Scham, zum Teil bereits als Folge der Sucht, welche die Selbstwahrnehmung stark beeinträchtigen kann. Suchtverhalten ist ein vielschichtiges Zusammenspiel von psychischen und körperlichen Abläufen. Wenn nun ein problematischer Umgang mit einer Substanz wie Alkohol entwickelt wird, so ist das sozusagen die nach Aussen gekehrte, sichtbare Seite einer beginnenden Sucht. Es braucht bereits zu diesem Zeitpunkt einen starken Willen, das Verhalten zu ändern. Jetzt besteht die Chance, auf den Teil zu achten, der in einem drin liegt. Zu beobachten, wann man nicht mal auf die Idee kommt, Alkohol zu trinken und umgekehrt wann die Lust nach Alkohol aufkommt. Es ist sehr wichtig, BEIDES zu beobachten und entsprechend die Situationen zu vermehren, in denen man so vertieft in etwas ist, dass der Gedanke an Alkohol gar nicht existiert. Gleichzeitig sollte man auf seine Gefühle achten, die da sind, wenn die Lust auf Alkohol stark wird und trotzdem nicht getrunken wird. Was für Gefühle machen sich dann breit? Langeweile, Ekel, Einsamkeit, Ungeduld, Erwartungen, etc. Wo im Körper sind diese Gefühle hauptsächlich spürbar? Der Versuch, es auszuhalten lohnt sich, zudem hilft es mit Leuten zusammen zu sein, mit denen man darüber sprechen kann. Es kann ein spannender Weg werden, der hilft, immer mehr das zu tun, was wirklich erfüllend ist. Diesen Weg zu gehen, schafft man noch besser, wenn man sich begleiten lässt durch eine Fachperson. Eine Beratung ist kostenlos und die Leute stehen unter Schweigepflicht. Hier findest du Anlaufstellen

Ich und meine beste Freundin sind 13 und trinken ab und zu Alkohol. Ist das schlimm?

Der Verkauf von Alkohol ist an Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren verboten. Der jugendliche Körper ist noch in Entwicklung und reagiert empfindlich auf Alkohol. Darum gibt es in der Schweiz gesetzliche Bestimmungen, die Kinder und Jugendliche vor Alkohol schützen sollen. Mit 13 Jahren ist man noch zu jung, um Alkohol zu konsumieren. Einmaliger Alkoholkonsum richtet allerdings weniger Schaden an als Dauerkonsum.

Ich bin ein Anti-Alkoholiker und gegen jegliche Art von Drogen. Es ist für mich sehr schwer, aktzeptiert zu werden.

"Ich habe den Eindruck, dass in unserer Gesellschaft Alkohol selbstverständlich geworden ist und jeder der nicht trinkt, ein Spielverderber und Langweiler ist. Ich habe Angst, irgendwann anzufangen zu trinken, nur damit ich akzeptiert werde. Was kann ich dagegen tun?"

Für viele Leute gehört es dazu, z.B. im Ausgang Alkohol zu trinken, einen Joint zu rauchen, Kokain zu konsumieren oder eine Partypille zu schlucken. Für manche Jugendliche ist es fast undenkbar, einen Abend in einer Disco oder Bar ohne eine dieser Substanzen zu verbringen. Auch bei einem gemütlichen Nachtessen gehört für viele Erwachsene ein Glas Wein dazu. Es ist das Recht jedes Einzelnen, nein zu Alkohol oder zu Drogen zu sagen. Das ist sogar sehr stark, gerade in unserer Gesellschaft, wo viele zum Trinken oder zum Drogenkonsum animiert werden. Es kommt immer sehr darauf an, wieviel und wann jemand Alkohol oder andere Substanzen konsumiert. Es gibt Leute, die konsumieren als Genuss, bei anderen ist es ein Suchtverhalten oder das Verlangen nach einem Rausch. Wichtig ist, das zu tun, was der Einzelne für richtig hält. Wenn Aussenstehende nicht verstehen, weshalb sich ein Mensch gegen Alkohol oder Drogen entscheidet, ist dies kein Grund, sich rechtfertigen zu müssen. Doch man darf ruhig erklären, dass man Alkohol und/oder Drogen nicht mag und auch ohne mit zu konsumieren grossen Spass haben kann.
 

Was passiert eigentlich, wenn ich Tabletten wie z.B. Aspirin mit Alkohol einnehme?

Alkohol kann die Wirkung von Tabletten verstärken oder je nach Substanz auch gefährliche Wechselwirkungen wie Herz- oder Atemstillstand hervorrufen. Das heisst, es besteht auch die Gefahr, dass die Aufmerksamkeit und Urteilsfähigkeit beeinträchtigt werden und so zum Beispiel die Reaktionszeiten (Fahruntüchtigkeit) verlängert sind. Aus diesen Gründen wird auch strengstens bei Einnahme von Tabletten vom Konsum von Alkohol abgeraten.

Stimmt es, dass ich durch zu viel Alkohol impotent werde?

Bei zuviel Alkohol, dass heisst bei einem chronischen Missbrauch von Alkohol können Folgeschäden an verschiedenen Organen wie Leber, Magen, Nerven usw. auftreten. Dabei können auch Beeinträchtigungen der sexuellen Funktion bis hin zur Impotenz vorkommen.

Wie viel muss ich trinken, damit ich nicht mehr Autofahren kann? Wie viel Alkohol im Blut ist lebensgefährlich? Wie viel Whisky muss ich trinken, bis ich diesen Wert erreicht habe?

Seit dem 1.1.2005 liegt die Promillegrenze des tolerierten Blutalkoholwerts im Strassenverkehr bei 0.5. Unter Blutalkoholspiegel berechnen ist ausführlich beschrieben, wie die Promillewerte entstehen und wie sie berechnet werden. Zur Berechnung muss das Körpergewicht bekannt sein und berechnen, wieviel Bier oder Whisky zu welchen Promillewerten führen. Es gibt keine Angaben darüber, welche Höhe der Alkoholwerte im Blut lebensgefährlich sind. Es spielen dabei vor allem Grösse, Gewicht, Geschlecht, Gewöhnung eine Rolle. Weitere Infos unter www.suchtschweiz.ch.

Wieviel Cannabis muss ich rauchen, damit ich nicht mehr Autofahren kann? Ist Cannabis gemischt mit Alkohol gefährlicher als ohne?

Nach Cannabis-Konsum kann die Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit hoch sein, auch wenn der THC-Spiegel im Blut bereits gesunken ist. Da dies von Mensch zu Mensch verschieden ist, gilt im Strassenverkehr die Nulltoleranz, d.h. es gibt keinen Grenzwert, wie beim Alkohol, sondern bei geringstem Nachweis von THC im Blut erfolgt eine Anzeige. Cannabis verstärkt zudem die Wirkung von Alkohol, sodass nach gemischtem Konsum dringend vom Autofahren abgeraten werden muss, auch wenn die Promille- Berechnung einen geringen Blutalkoholwert ergibt.

Meine Mutter trinkt viel. Was kann ich tun?

«Mit ca. 14 fiel mir auf, dass meine Mutter viel trinkt. Sobald sie nach Hause kommt, ist das erste was sie tut, eine Flasche Wein zu öffnen. Ich möchte mit ihr reden, aber ich habe keine Ahnung wie sie reagieren wird/könnte. Sie ist oft übermüdet, gereizt und leicht aggressiv. Ich bin mir auch nicht 100% sicher, ob ich meine Mutter überhaupt als Alkoholikerin bezeichnen kann: Sie trinkt täglich mind. 1 Flasche Wein. Gerne würde ich wissen, was in diesem Fall die beste Vorgehensweise ist.»

Da Menschen unterschiedlich auf Alkohol reagieren, lässt die Menge allein noch keinen verlässlichen Schluss darüber zu, ob ein Alkohol-Problem vorliegt. Es ist aber bekannt, dass ab einer bestimmten Menge Alkohol das Risiko, sich zu schaden, steigt. Für Frauen gilt, dass Sie nicht mehr als eine Stange Bier oder ein Glas Wein pro Tag trinken sollten, und dass bei besonderen Gelegenheiten, zu denen mehr getrunken wird, nicht mehr als vier Gläser getrunken werden sollten. Ein höherer Konsum bedeutet nicht, dass es zwangsläufig zu Problemen kommen muss; ab diesen Konsummengen bestehen jedoch Risiken für die Gesundheit. Weitere Hinweise sind auf dieser Website unter Suchtinfo zu finden. Wenn das Gefühl auftaucht, dass die Mutter ein Problem im Umgang mit Alkohol hat, ist es gut, wenn dieses Gefühl ernst genommen und das Thema angesprochen wird. Wie kann man ein solches Gespräch angehen? Den Zeitpunkt sollten Sie so wählen, dass genügend Zeit für das Gespräch da ist und dass beide ausgeruht sind, z.B. auf einem Spaziergang, bei einer Tasse Kaffee usw. Es ist wichtig, sich auf das Gespräch vorzubereiten und zu überlegen, wie man der Mutter sagen kann, dass man sich Sorgen macht. Wichtig ist es, darauf zu achten, dass sich das Gegenüber nicht beschuldigt und in die Enge gedrängt fühlt. Dies können Sie verhindern, indem Sie im Gespräch von Ihnen selber ausgehen: Die Situation aus Ihrem eigenen Blickwinkel schildern und mitteilen, was Sie in Bezug auf ihren Umgang mit Alkohol wahrnehmen. Dabei ist die Verwendung von "Ich-Botschaften" geeignet („I c h mache mir Sorgen...“ statt „Du solltest...“) . Weitere Hinweise, wie man auf den Konsum der Mutter reagieren kann, geben Ihnen Suchtfachpersonen. Sie sind mit den Fragen, die sich stellen, vertraut und sie können Ihnen aufzeigen, wie sich Angehörige den Betroffenen gegenüber verhalten können. Zugleich bieten sie auch den Angehörigen Entlastung und Unterstützung. Die Angebote der Suchtfachstellen sind in der Regel kostenlos, die dort tätigen Fachpersonen unterstehen der Schweigepflicht. Wichtig ist angesichts der schwierigen Situation der Mutter, dass Sie die eigenen Bedürfnisse nicht vernachlässigen. Zeit für sich selbst und Dinge zu tun, die einem gut tun, ist nötig. Es braucht viel Kraft, und es ist wichtig, dass Sie in einer solchen Zeit sich selbst besonders Sorge tragen. Vielleicht gibt es weitere Angehörige oder Freunde, die bei der Situation Unterstützung geben könnten.

Mein Vater hat meiner Meinung nach seit längerer Zeit ein Alkoholproblem.

«Mein Vater hat meiner Meinung nach seit längerer Zeit ein Alkoholproblem. Fast jeden zweiten Tag ist er betrunken, jeden Tag trinkt er 3dl Bier und eine Flasche Wein, oft noch Härteres dazu. Er wird dann immer weinerlich und aggressiv. Ich kann damit überhaupt nicht umgehen und die Situation belastet mich sehr, obschon ich ihn nur an den Wochenenden sehe. Mehrmals habe ich ihn schon darauf angesprochen, doch er fühlt sich immer angegriffen und wird wütend. Ich glaube, es ist unmöglich, in einem Gespräch auf einen grünen Zweig zu kommen. Ist ein Brief ein geeigneter Weg? Wenn ja, wie soll ich das genau anstellen? Reicht es, wenn ich nur aufzeige, wie sehr ich darunter leide, oder soll ich meinen "Verdacht" belegen? Wie gross ist gemäss Statistik die Chance, dass er die Sache in den Griff kriegt? »

Es ist sicher schwierig zu merken, dass der eigene Vater Probleme im Umgang mit Alkohol hat. Die Frage, warum der Vater Alkohol trinkt, ist nicht einfach zu beantworten. Meist führt das Zusammenspiel verschiedener Faktoren zur Entwicklung eines problematischen Alkoholkonsums. Alkohol ist keine Lösung für Probleme. Er wird jedoch manchmal als Mittel wahrgenommen, um schmerzhafte und schwierige Gefühle – zumindest vorübergehend – zu bewältigen. Was die Chance, ein Alkoholproblem in den Griff zu bekommen, angeht, gibt es keine klaren Erkenntnisse. Die Erfolgsquoten variieren je nachdem, wie eine Studie angelegt ist. Fest steht, dass die Überwindung einer Abhängigkeit oft viel Zeit braucht und häufig auch Rückfälle mit einschliesst. Aber es gibt Wege aus der Abhängigkeit und es ist für die Betroffenen wie deren Bezugspersonen wichtig, sich dies zu vergegenwärtigen! Wenn man merkt, dass es schwierig ist, „im Gespräch auf einen grünen Zweig zu kommen“, kann ein Brief eine gute Alternative sein, um dem Gegenüber zu schildern, was einen beschäftigt. Es ist gut, wenn dem Vater beschrieben wird, wie es für einen ist, am Wochenende nach Hause zu kommen, zu sehen, wie viel er trinkt und wie er sich verändert, wenn er getrunken hat. Dabei sollte man von seinen eigenen Beobachtungen und Empfinden ausgehen und die Gedanken schildern. Betroffene mit „Belegen“ zu konfrontieren, hat häufig die Folge, dass sie sich angegriffen fühlen und sich verschliessen. Daher vermeidet man Konfrontationen wie auch Anschuldigungen und Vorwürfe besser. Sich selbst einzugestehen, dass man ein Suchtmittelproblem hat, ist für Betroffene oft sehr schmerzhaft. Indem Nahestehende das Thema ansprechen, ist es jedoch möglich, dass der Betroffene dazu motiviert wird, sich mit seiner Situation auseinanderzusetzen. Ein Brief kann dabei den Anfang machen. Falls der Vater dazu bereit ist, kann er sich von Fachpersonen unterstützen lassen: Mitarbeitende von Suchtberatungsstellen kennen die Schwierigkeiten, die sich auf dem Weg aus der Abhängigkeit stellen können, und sie können Hilfestellung leisten. Die Angebote der Fachstellen sind in der Regel kostenlos und die Fachpersonen unterstehen der Schweigepflicht. Solche Situationen sind für die Bezugspersonen und Angehörigen sehr belastend. Das Angebot der Beratungsstellen richtet sich auch an Familienangehörige und weitere Bezugspersonen. Einem Menschen mit Suchtmittelproblemen nahe zu stehen, kann wirklich schwierig sein. Deshalb ist es gut, selber Kontakt zu einer Fachstelle aufzunehmen. Es kann entlasten, mit einer Fachperson über die Dinge zu sprechen, die einen beschäftigen, und Hilfe im Umgang mit der schwierigen Situation zu erhalten. >>hier
 

Meine Eltern trinken zuviel Alkohol. Was kann ich tun?

«Meine Eltern trinken zuviel Alkohol. Was kann ich tun? Das erste was geschah als meine Eltern zu viel Alkohol tranken war, dass mein Vater Auto fuhr, dabei einschlief und einen Unfall baute. Als nächstes mitten in der Nacht: meine Mutter trank alleine zwei Flaschen Wein und stürzte. Wir mussten mit ihr ins Krankenhaus. Ich war so ängstlich und es war auch gefährlich. So geht es ständig und ich weiss nicht was tun. Reden kann ich mit niemandem. »

Erst einmal vorweg: Eine solche Situation ist sehr belastend und braucht sehr viel Kraft! Es ist ganz wichtig, Hilfe zu holen. Alleine ist die Problematik auf die Dauer nicht zu schaffen. Kinder und Jugendliche wollen ihren Eltern helfen und ein geregeltes Leben zurück bekommen. In diesem Alter brauchen sie auf jeden Fall Hilfe. Hilfe brauchen auch die Eltern, um von der Sucht wegzukommen. Gibt es Familienmitglieder, die ins Vertrauen gezogen werden können? Oma und Opa oder eine Tante, oder Onkel? Es gibt Einrichtungen, die für solche Angelegenheiten zuständig sind: Das Jugendamt oder Drogenberatungsstellen. Auch der Arzt, der die Familie oder die Kinder kennt, kann helfen. Er wird zuhören und hat Adressen solcher Ämter, die Beratungen und Unterstützung anbieten. Unter dem Link Anlaufstellen sind einige Beratungsstellen aufgelistet, die man in solchen Fällen kontaktieren kann.
 

Mein Ex-Freund trinkt nur noch, damit er bei einem Problem dem Alkohol die Schuld geben kann.

«Mein Ex-Freund trinkt nur noch, damit er dem Alkohol schuld geben kann. Er sagt jetzt sogar, dass ihm unsere gemeinsamen Kollegen egal sind. Was kann ich tun, um in zur Vernunft zu bringen? Reden bringt nichts, habe ich oft versucht.»

Mit einem Freund zusammen zu sein oder vom Exfreund zu hören, der ein Alkoholproblem hat, ist eine schwere Belastung. Auch wenn der Betroffene selbst keine Hilfe annehmen will, sollten sich die Bezugspersonen selbst Unterstützung holen. Solche Hilfe gibt unter dem Link Anlaufstellen. Auch Jugendberatungsstellen der Gemeinde oder Contact-Beratungsstellen bieten Beratungen an. Die Fachleute können Wege herausfinden, wie sich Freunde, Angehörige usw. schützen, wie sie mit dem Freund reden können oder wie er vielleicht sogar dazu zu bringen ist, gemeinsam eine Beratung aufzusuchen. Weitere Hinweise, wie man auf den Alkoholkonsum des Partners reagieren kann, unter dem Link Anlaufstellen.
 

Gibt es eine spezielle Behandlung für Jugendliche im Via?

Die spezialisierten Suchtbehandlungsprogramme für Personen unter 18 Jahren sind in der Regel anders konzipiert als die Angebote im Via Gampel. Die meist erst ansatzweise vorhandene Ausbildungs- und/oder Berufserfahrungder Jugendlichen wird speziell berücksichtigt und dem konstruktiven Aufbau einer Berufslaufbahn wird eine grosse Bedeutung beigemessen. So gibt es spezialisierte Behandlungszentren, die Ausbildungsgänge, Berufslehren usw. in einem geschützten Rahmen anbieten. Ein anderes Unterscheidungsmerkmal ist die Anwendung sozialpädagogischer Stufenkonzepte, verbunden mit sehr strikte einzuhaltenden Rahmenbedingungen. Behandlungskonzepte für Jugendliche