Kontrovers in der Suchttherapie

In diesem Kapitel wenden wir uns Themen zu, die als "Dauerbrenner" in der Weiterentwicklung der Suchttherapie gelten. Dabei gibt es auch kontroverse Meinungen, die teils aus der Tradition der religiös-fundamentalistischen Behandlungen erklärbar sind, teils auf festgefahrenen, sogar wissenschaftlich begründete, jedoch überholten Mythen beruhen oder ganz einfach den Zeitgeist widerspiegeln. Wir bleiben bei unseren Ausführungen an unseren praktischen Erfahrungen, die heute geltenden wissenschaftlichen Evidenzen und pflegen den interinstitutionellen fachlichen Austausch.
Die Entwicklung von Sucht ist ein komplexes, multifaktoriell bedingtes Geschehen, an dem biologische, psychische und soziale Systembedingungen mitwirken. Begleitend oder als Folgeschäden können schwere körperliche und psychiatrische Erkrankungen auftreten sowie massive familiäre und soziale Probleme beobachtet werden. Unsere Institution ist darauf ausgerichtet, den Betroffenen eine adäquate Behandlung in allen wichtigen Bereichen zukommen zu lassen, einschliesslich schadensbegrenzende Massnahmen. Der Gesundheitsförderung wird dabei grosse Bedeutung zugemessen. Individuelle und soziale Ressourcen sind wieder neu zu entdecken und zu entwickeln. Es sollen so der Sucht Alternativen entgegen gestellt und die körperlichen, psychischen und sozialen Konsequenzen des übermässigen Suchtmittelkonsums gemildert oder aufgehoben werden. In der Suchttherapie gilt es, diese Auseinandersetzung zu fördern und zu begleiten; in chronifizierten Situationen soll Verelendung verhindert und menschenwürdiges Dasein ermöglicht werden.