Ausstieg als Prozess

Das Modell von Prochaska und Di Clemente zeigt den Ausstieg aus der Sucht als Prozess, welcher in Phasen verläuft. Genau so, wie die Sucht nicht an einem Tag entsteht, braucht es auch zum Ausstieg einen Veränderungsprozess. Egal welche Hilfsangebote beansprucht werden, die Stadien der Veränderung können immer angewandt werden.

Im Folgenden sind die 6 Stufen des transtheoretischen Modells nach Prochaska, Norcross & DiClemente aufgeführt.

Stufe 1 Sorglosigkeit («precontemplation»)

  • kein eigenes Problembewusstsein vorhanden
  • keine Veränderungsintention für die nächsten sechs Monate eruierbar
  • Informationen bzgl. Risikoverhalten werden ausgeblendet
  • Auseinandersetzung/Reflektion des Risikoverhaltens wird vermieden
  • Hauptmerkmal: Widerstand gegen Erkennen oder Veränderung des Risikoverhaltens
  • die Stufe ist sehr stabil

Gesprächsschwerpunkt:

  • Information & wertschätzende Rückmeldung
  • Zweifel aufkommen lassen

Stufe 2 Bewusstwerden («contemplation»)

  • Veränderung wird gleichzeitig erwogen und verworfen
  • bewusste Auseinandersetzung mit eigenem Risikoverhalten ohne unmittelbare Ergreifung von Veränderungsmaßnahmen
  • ausgewogene Balance zwischen Vor- und Nachteilen einer Veränderung des Verhaltens
  • Entschluss zu Handlungen kann nicht gefasst werden
  • Besorgnis und Sorglosigkeit wechseln
  • es wird erwogen, das problematische Verhalten in den nächsten sechs Monaten zu verändern

Gesprächsschwerpunkt:

  • vorsichtiger, wertschätzender Anstoss zur Veränderung
  • Irritation: beim Alten bleiben vs. Veränderung, Pro & Contra abwägen
  • stärken sie Selbstvertrauen zur Veränderungsfähigkeit

Stufe 3 Vorbereitung («preparation»)

  • erste Schritte zur Veränderung wurden eingeleitet
  • Zielverhalten wird in den nächsten 30 Tagen angestrebt
  • ernsthaftes Nachdenken über eine Veränderung
  • hohe Motivation, unmittelbar mit der Veränderung zu beginnen
  • klare Entscheidung für Verhaltensänderung ist getroffen
  • erste Schritte zur Veränderung sind unternommen
  • Phase ist als Fenster der Möglichkeiten für einen gewissen Zeitraum offen

Gesprächsschwerpunkt:

  • Suche nach realistischer und akzeptabler Veränderungsstrategie
  • konkrete und umsetzbare Handlungspläne sind vorhanden
  • Informationen weitergeben und Unterstützung anbieten

Stufe 4 Handlung («action»)

  • Zielverhalten wird seit weniger als sechs Monaten gezeigt
  • aktive Versuche, Problemverhalten zu verändern oder abzubauen werden unternommen
  • Veränderungen im eigenen Erleben und in den Umweltbedingungen werden herbeigeführt
  • beobachtbares Verhalten steht mehr im Vordergrund als kognitive Prozesse
  • die Handlung ist die aktivste Phase im Prozess, bringt hohen Aufwand und hohe Rückfallgefahr mit sich

Gesprächsschwerpunkt:

  • konkrete Veränderung begleiten
  • Schritte unterstützen und zur Veränderung ermutigen

Stufe 5 Aufrechterhaltung («maintenance»)

  • Zielverhalten wird seit mehr als sechs Monaten stabil beibehalten
  • aktive Phase, das Zielverhalten wird konsolidiert

Gesprächsschwerpunkt:

  • Abbruch-Prophylaxe
  • erzielte Veränderung verfestigen
  • Abbruch vorbeugen
  • Bei Abbruch: Hilfe, die Handlung wieder aufzunehmen

Stufe 6 Stabilisierung («termination»)

  • Aufrechterhaltung, keine situative Versuchung bzw. Rückfallgefahr mehr vorhanden
  • neue Ziele und Perspektiven

Gesprächsschwerpunkt:

  • wie kann Stabilisierung erreicht/unterstützt werden
  • Ansprechpartner bei Problemen