Verhaltenssüchte oder «stoffungebundene Süchte»

Die stoffungebundenen oder nichtstofflichen Süchte werden als Verhaltenssüchte bezeichnet. Nach DSM-5 (siehe "Suchtdefinition") handelt es sich hierbei um eine Verhaltenskontrollstörung, die sich von moderat bis schwerwiegend  äussert, die Gesundheit schädigen oder schwer wiegende soziale Folgen haben kann. Die bekanntesten sind: Spielsucht, Kaufsucht, Arbeitssucht, Onlinesucht in diversen Anwendungen, und Essstörungen wie Anorexia nervosa (Magersucht), Bulimia nervosa (Ess-Brech-Sucht) und Binge-Eating-Disorder (Esssucht ohne Erbrechen). Bei nichtstofflichen Süchten findet man eine ähnliche Suchtentwicklung wie bei stofflichen. Die betroffene Person zeichnet sich durch ein Begehren nach dem belohnenden Aspekt der Verhaltensweise aus und dadurch, dass sie  versucht, dieses Gefühlserleben immer wieder herzustellen.

Um der Gefahr der Beliebigkeit des Suchtbegriffs entgegenzuwirken, ist es allerdings notwendig, auch in Zusammenhang mit nicht-substanzgebundenen Süchten eine klare Grenze zu ziehen und darauf zu bestehen, dass «Sucht» den Charakter eines "aus den Fugen geratenen Verhaltens" hat. «Sucht» darf nicht einfach mit «Gewohnheit» oder Verhaltensweisen, die zwar Suchtpotenzial haben, aber (noch) der willentlichen Kontrolle des Subjekts unterliegen gleichgesetzt werden.

Von «Sucht» spricht man, wenn das zu Grunde liegende Problemverhalten zu einem eigendynamischen, zwanghaften Verhalten wird.

Behandlung:
Die Behandlungskonzepte für Verhaltenssüchte sind ähnlich wie für stoffgebundenen Süchte. Ähnlich wie bei der "Entgiftung" vom Suchtmittel wird die Eigendynamik des Verhaltens mit einem entweder radikal veränderten Verhaltensregime oder nach einer geordneten Verabschiedung (aus Chatrooms, Social Media -Gruppierungen, Spielgilden, virtuellen Identitäten) unterbrochen. Anforderungsreich ist dies insofern, als sich die Verhaltenskontrolle weit diffiziler gestalten kann oder dass sie differenzierter gestaltet werden muss als bei einer Substanzkonsumkontrolle. Während diverse Verhaltenssüchte im stationären Behandlungsrahmen von substanzgebundenen Süchten behandelt werden können, empfehlen wir, dass die Behandlung von Ess-Störungen in Zentren erfolgen sollten, welche dafür spezialisiert sind (>>hier).